Nicht schwul genug

„Weder Ihr Gang, Ihr Gehabe oder Ihre Bekleidung haben auch nur annähernd darauf hingedeutet, dass Sie homosexuell sein könnten“

„Es wird berichtet, dass Sie öfter Auseinandersetzungen mit anderen Zimmergenossen hatten. Ein Aggressionspotential ist bei Ihnen also vorhanden, das bei einem Homosexuellen nicht zu erwarten wäre.“

„Freunde hätten Sie nicht sehr viele, steht in dem Bericht ebenso. Sind Homosexuelle nicht eher gesellig?“

„Ihre behaupteten homosexuellen Gefühle im Alter von bereits zwölf Jahren können nicht nachvollzogen werden, da das der Behörde recht früh erscheint. In einer wenig sexuellen Gesellschaft wie der afghanischen, in der es in der Öffentlichkeit keine sexuellen Reize durch Mode und Werbung gibt, ist es nicht sehr wahrscheinlich, bereits so früh ’sexualisiert‘ zu werden.“

Eilmeldung: nur noch wandelnde Klischees werden ernst genommen. Alle anderen müssen Lügner sein. Die Behörden definieren wer schwul ist und wer nicht. Aber leider können wir hier nicht nur mit mahnendem Zeigefinger auf den österreichischen Staat richten und seine offensichtliche Homophobie und seinen offensichtlichen Rassismus anprangern, wir müssen die Handlungsweise des Staates auch als Produkt unserer gesellschaftlichen Strukturen ansehen. So ist für Homosexuelle nicht nur im Asylverfahren Realität, ihre sexuelle Orientierung täglich legitimieren und beweisen zu müssen, aber bitte nicht zu stark, sonst heisst es, sie wollten nur Aufmerksamkeit. Der Fall eines jungen schwulen Afghanen, der sich etwas zu stereotypisch männlich gebährdete, ist kein Einzelfall und das Problem beschränkt sich nicht nur auf Behörden.

https://www.spiegel.de/politik/ausland/oesterreich-behoerde-stellt-homosexualitaet-eines-schwulen-afghanen-in-frage-a-1223199.html

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